Impressionen zu Sophie Schmidts Werk

Von Marita Liebermann für Sophie Schmidt

Die Welt bewohnen – Impressionen von Sophie Schmidts Werk

Wie kann ein Mensch in der Welt ein zu Hause finden? Wenn das Dasein doch kein Eigenheim ist, das sich stets durch die gleiche Tür betreten lässt, sondern eher wechselnden Wohnungen gleicht, die man immer wieder neu bezieht? Es ist die Frage nach dem Heimisch-Werden im Leben, die aus Sophie Schmidts Werk spricht: eine Suche, die im gleichen Maße ein physischer Prozess ist wie eine Aktivität des Bewusstseins. Beide Bewegungen treffen sich immer wieder mit Geschichten, die ihnen teils voranzugehen und teils nachzufolgen scheinen. Schwer zu sagen, ob die Arbeit bei der Sprache beginnt, die Erzählungen am Anfang stehen, jene über die Radicchiofrau oder die Venedigvögel zum Beispiel, oder die Farben und Formen, in denen solche Wesen auf der Leinwand Gestalt gewinnen, oder es nicht vielmehr der Körper der Künstlerin ist, der sich als erster auf den Weg macht. Wichtiger als die Reihenfolge scheint ohnehin das dichte Verwobensein der verschiedenen Medien zu sein, mit denen sie in Beziehung zu ihrer situativ veränderlichen Umwelt tritt. Sie stellt Kontaktstellen her, die sie narrativ, malerisch sowie mit ihren Performances und Installationen gleichsam abtastet. Dabei geht Materielles und Immaterielles ineinander über. So wie ihre Gemälde leben, sind umgekehrt ihre Performances nicht ausschließlich körperliche Begegnungen mit dem Raum. Wenn Sie mit Radicchioblättern ihre Gliedmaßen verlängert oder ihren Körper in Objekte integriert (wie zuletzt in den Zeitungsständer bei der Performance im venezianischen Palazzo) erkundet sie Verbindungspunkte, die über das mit Händen Anfassbare hinausgehen. Eben deshalb erzeugen Sophie Schmidts Interaktionen mit Orten und Gegenständen regelrechte Kraftfelder, geht von ihren Erkundungen der ‚Weltwohnung‘ Energie aus, die sich den Betrachtenden mitteilt. Und deshalb hat sie auch Venedig nach Taipeh mitnehmen können.

Marita Liebermann